Seit die Bürgerbefragung zum geplanten Windpark am Lammerskopf gestartet ist, läuft die öffentliche Debatte in Heidelberg und der Region. Bis zum 12. Juli 2026 geht es um eine Grundsatzfrage: Soll die Stadt das Gebiet am Lammerskopf überhaupt als Standort für Windkraft weiterentwickeln? Mehr dazu bei der Stadt Heidelberg.
Der Lammerskopf ist aus unserer Sicht kein unproblematischer Ort für Windkraftanlagen. Es geht hier nicht um eine abstrakte Diskussion über erneuerbare Energien, sondern um einen konkreten Waldstandort mit hoher naturschutzfachlicher Bedeutung. Unser ausführliches Gutachten als PDF zeigt die fachlichen Gründe im Detail.
Worum es am Lammerskopf geht
Die Stadt Heidelberg verweist auf gute Windverhältnisse und sieht den Standort grundsätzlich als geeignet an. Doch gute Windhöffigkeit allein macht einen Standort noch nicht verantwortbar. Entscheidend ist, ob Natur- und Artenschutz, Erschließung und rechtliche Anforderungen wirklich belastbar berücksichtigt sind.
Nach den vorliegenden Unterlagen liegt der Lammerskopf in einem ökologisch sensiblen Bereich mit FFH-Bezug. Für solche Gebiete gelten besonders hohe Anforderungen. Es reicht nicht, nur die Fläche der späteren Anlagen zu betrachten. Auch Zufahrten, Kranstellflächen, Kabeltrassen, Baustellen und die Wirkung auf angrenzende Lebensräume müssen mitgedacht werden.
Warum wir skeptisch sind
Der zentrale Kritikpunkt betrifft die naturschutzfachliche Prüfung. BUND und NABU haben das bisherige Gutachten zur FFH-Verträglichkeit deutlich kritisiert und auf methodische Lücken, unklare Datengrundlagen und mangelnde Nachvollziehbarkeit hingewiesen. Die Stellungnahmen findet ihr bei NABU Heidelberg und beim BUND Heidelberg.
Besonders relevant sind die Auswirkungen auf Fledermäuse. Am Lammerskopf kommen aus fachlicher Sicht windenergiesensible Waldarten in Betracht, darunter Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr und Mopsfledermaus. Für sie sind nicht nur mögliche Kollisionen ein Problem, sondern auch Lebensraumverlust, Meideeffekte und die Zerschneidung funktionaler Waldstrukturen.
Hinzu kommt: Wenn die konkrete Erschließung noch nicht abschließend feststeht, bleibt auch die tatsächliche Eingriffsfläche unklar. Das ist gerade bei einem Waldstandort mit Schutzgebietsbezug ein schweres Problem. Ein seriöses Urteil braucht eine vollständige und nachvollziehbare Gesamtbetrachtung, nicht nur einen Fokus auf die sichtbare Anlagenfläche.
Unser Fazit
Wir stellen uns nicht gegen Windenergie. Aber wir halten es für falsch, ausgerechnet einen naturschutzfachlich sensiblen Waldstandort wie den Lammerskopf politisch voranzutreiben, solange zentrale Fragen offen sind. Solange die FFH-Verträglichkeit, die Datengrundlage zu Fledermäusen, die vollständigen Eingriffsfolgen und die Alternativenprüfung nicht überzeugend geklärt sind, sollte der Standort nicht weiterentwickelt werden.
Unsere Position ist klar: Klimaschutz braucht Windenergie — aber nicht um den Preis eines ökologisch und fachlich hoch umstrittenen Standorts.
Was wir fordern
- Eine transparente, vollständige und überprüfbare FFH-Verträglichkeitsprüfung.
- Eine nachvollziehbare Erfassung und Bewertung der betroffenen Fledermausarten.
- Eine realistische Betrachtung aller Eingriffe, einschließlich Zuwegungen und Bauflächen.
- Eine ernsthafte Prüfung konfliktärmerer Alternativstandorte.
Der Lammerskopf ist aus unserer Sicht kein geeigneter Ort für eine politische Vorfestlegung auf Windkraft. Wer Klimaschutz ernst nimmt, muss Naturschutz, Rechtssicherheit und Transparenz genauso ernst nehmen.

Danke für den Beitrag
Mir fällt auf, dass in 25 Jahren Ausbau von Solar- und Windenergieanlagen, deren installierte Gesamtleistung mittlerweile dem zweieinhalbfachen des Bedarfs an elektrischer Leistung in Deutschland entspricht, keinerlei Effekt auf das Klima zu verzeichnen ist. Der negative Effekt auf das Waldklima in den Bereichen, wo große Windenergieanlagen in den Wald gebaut wurden, ist dagegen deutlich erkennbar.
Wälder zu zerschneiden, um Schwerlaststraßen und Stellflächen für die Errichtung von Windenergieanlagen herzustellen, sind nach meinem Dafürhalten keine geeignete Klimaschutzmaßnahme.
Nicht nur Fledermäuse und Co brauchen den Wald, auch wir Menschen brauchen ihn als Naherholgungsgebiet und auch dringend zum Klimaschutz. Meiner Meinung nach ist es ein unverzeihliches Verbrechen, im Wald und Naturschutzgebieten Windkraftanlagen zu bauen. Das steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Es wird mehr Schaden angerichtet, als nötig ist. Die großen Zementsockel bleiben dauerhaft und ewig im Boden, selbst wenn die Räder vielleicht schon nicht mehr existieren. Warum sind nicht schon längst alle öffentlichen Gebäude mit Photovoltaik ausgestattet? Das wäre doch viel leichter umsetzbar und es wird dabei keine bestehende Natur zerstört. Und es gibt sicherlich bessere Standorte für Windkrafträder mit bestehender Infrastruktur, mit höherer Windkraftausbeute und weniger Zerstörung wichtiger Naturgebiete. KEINE Windkraftanlagen in Wald- und Naturschutgebieten!!