Am 12. Juli 2026 haben 66,7 Prozent der Heidelberger Wählerinnen und Wähler für die Weiterentwicklung des Windparkprojekts am Lammerskopf gestimmt. Das Quorum wurde mit 40,1 Prozent Wahlbeteiligung klar erreicht. Wir respektieren dieses demokratische Ergebnis.
Die Wahlbeteiligung von 40,1 Prozent ist für einen Bürgerentscheid bemerkenswert hoch. Sie zeigt, dass das Thema Klimaschutz die Heidelberger Bevölkerung wirklich umtreibt – und dass viele Menschen bereit sind, für ihre Überzeugung an die Urne zu gehen. Das verdient Respekt, unabhängig davon, wie man zum Ergebnis steht.
Und doch müssen wir klar sagen: Der Bürgerentscheid entscheidet nicht darüber, ob am Lammerskopf tatsächlich Windräder gebaut werden dürfen. Das ist keine Frage der Mehrheit – das ist eine Frage des Rechts.
Was der Bürgerentscheid entschieden hat – und was nicht
Abgestimmt wurde über die Frage, ob die Stadt die Voraussetzungen dafür schaffen soll, dass Windräder auf dem Lammerskopf errichtet werden könnten. Das ist eine politische Willensbekundung – kein Genehmigungsbescheid. Das eigentliche Genehmigungsverfahren, in dem die naturschutzfachlichen Fragen verbindlich beantwortet werden müssen, steht noch aus.
Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte erst wenige Tage vor der Abstimmung klargestellt, dass die bisherige behördliche Prüfung keine inhaltliche Bewertung der konkreten Planungen darstellt – und schon gar keine Aussage zur Genehmigungsfähigkeit. Wer also vom „Ja“ der Heidelberger auf ein „Ja“ der Behörden schließt, vermengt zwei grundlegend verschiedene Verfahren.
Die offenen Fragen bleiben offen
In unserer fachlichen Stellungnahme haben wir die zentralen Probleme benannt, die durch den Bürgerentscheid nicht beantwortet wurden:
- Die FFH-Verträglichkeitsprüfung ist methodisch unvollständig und von BUND und NABU kritisiert worden.
- Die Auswirkungen auf windenergiesensible Fledermausarten – darunter Bechsteinfledermaus, Großes Mausohr und Mopsfledermaus – sind nicht abschließend untersucht.
- Erschließung, Zuwegungen und Baustellenflächen sind noch nicht vollständig bewertet.
- Eine ernsthafte Alternativenprüfung steht aus.
Diese Fragen werden im Genehmigungsverfahren beantwortet werden müssen – unabhängig davon, wie viele Menschen am 12. Juli mit Ja gestimmt haben. Selbst Befürworter des Projekts haben das im Rathaus betont: „Jetzt sind die Gutachter an der Reihe.“
Eine realistische Einschätzung
Persönlicher Kommentar: Formal ist es richtig, dass der Bürgerentscheid noch keine konkrete Genehmigung darstellt und weitere Prüfungen folgen werden. Politisch bedeutet ein klares Ja beim Bürgerentscheid aber sehr wohl eine Grundsatzentscheidung zugunsten der Entwicklung dieses Standorts. Genau deshalb hätte vor dieser politischen Vorfestlegung besonders sorgfältig geklärt sein müssen, ob die fachlichen Einwände tatsächlich entkräftet sind. Das war aus unserer Sicht nicht der Fall – und daran ändert das Abstimmungsergebnis nichts. Wir blicken realistisch auf den weiteren Prozess: Der politische Rückenwind für das Projekt ist stark. Umso wichtiger ist es, dass das Genehmigungsverfahren nicht unter Zeitdruck geführt wird und der Naturschutz nicht zum Formproblem verkommt.
Unsere Position bleibt
Wir stellen uns nicht gegen Windenergie und wir stellen uns nicht gegen demokratische Entscheidungen. Aber wir werden weiterhin darauf bestehen, dass das Genehmigungsverfahren am Lammerskopf mit der gebotenen naturschutzfachlichen Sorgfalt geführt wird – vollständig, transparent und nachvollziehbar.
Der Lammerskopf liegt in einem ökologisch sensiblen Waldgebiet mit FFH-Bezug. Das ändert sich durch kein Votum. Klimaschutz und Naturschutz müssen gemeinsam gedacht werden – auch dann, wenn es unbequem ist.
