Wald als Klimaschützer – Artikel in der Nußlocher Rathausrundschau

Wer ist der bessere Klimaschützer, ein ungenutzter oder ein bewirtschafteter Wald? Kommentar zum Artikel des Landratsamts Rhein-Neckar-Kreis aus der Nußlocher Rathausrundschau vom 17.12.2021

Vielleicht haben Sie sich ebenfalls über einen Artikel gewundert, der am 17.12.2021 in Ausgabe 50 der Nußlocher Rathausrundschau veröffentlicht wurde.

In der Veröffentlichung, zu der leider kein Autor angegeben war, geht das Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis der Frage nach: „Wer ist der bessere Klimaschützer, ein ungenutzter oder ein bewirtschafteter Wald?“

Wald als Klimaschützer

Das angesprochene Thema, das im Artikel beleuchtet wird, ist unbestritten sehr wichtig.

Allerdings mutet die pseudo-wissenschaftliche Form des Artikels und die Art der Informationsvermittlung in höchstem Maße tendenziös an.

Quellen für die eingestreuten Zahlen (und Fakten?) werden nicht genannt, etliche Aspekte werden in der Betrachtung vernachlässigt. Es gibt viele  aktuelle Studien, die gegenteilige Schlüsse zur im Artikel gemachten Aussage, dass ein bewirtschafteter Wald der bessere Klimaschützer sei, nahelegen.

  • Die Aussagen zu Kohlenstoffspeicher und Kohlenstoffsenke eines alten Waldes im Vergleich mit einem jungen, bewirtschafteten sind irreführend. Ein alter Wald hat nach wie vor mehr Zuwachs als ein junger bewirtschafteter.
  • Die CO2-Freisetzung von Totholz geschieht langsam (mit 15 – 25 Jahren bei der Buche noch relativ schnell, andere Bäume brauchen noch Jahrzehnte mehr). Außerdem geht der freigesetzte Kohlenstoff nicht komplett in die Atmosphäre, sondern wird zu 50% wieder Waldboden, wie ja auch weiter unten im Artikel erwähnt wird. Bei der im Artikel beschriebenen Nutzungskaskade geht alles in die Atmosphäre.
  • Auch wird im Artikel nicht berücksichtigt, dass Bäume, die nicht geschlagen werden, eine weitaus höhere natürliche Lebenserwartung haben (bei Buchen z.B. um die 400 Jahre oder noch älter).
  • Wir haben uns die Mühe gemacht, das bei Holzverbrennung freigesetzte CO2 mit dem bei der Verbrennung anderer fossiler Brennstoffe entstehende zu vergleichen. Bei der Verbrennung von Holz (bei gleicher Energieleistung) wird die zwei- bis vierfache Menge an CO2 freigesetzt. Dies wird im angesprochenen Artikel anders bzw. falsch dargestellt.
  • Auch auf die Bedeutung von Totholz in Bezug auf Biodiversität wird im Artikel nicht eingegangen.

Fragwürdige Veröffentlichung ohne lokalen Bezug an der Grenze zum Populismus

Bekanntermaßen sind weit mehr als 80% des Nußlocher Gemeindewalds als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet ausgewiesen. Für dieses Gebiet existiert ein rechtsverbindlicher Managementplan, der eine wie im Artikel angedeutete Bewirtschaftung des ortstypischen Waldmeister-Buchenwalds ohnehin untersagt. Der besondere Schutzstatus entlang der europäischen Natura 2000-Richtline wird im Artikel ebenfalls nicht angesprochen.

Die Veröffentlichung eines solchen Artikels, der durch die starke und selektive Vereinfachung in hohem Maße irreführend ist, kann zu einer Desinformation von Bürgerinnen und Bürgern führen.

Wir würden uns wünschen, dass Veröffentlichungen zu diesem sensiblen Thema zukünftig seriöser gestaltet werden und so einen tatsächlich neutralen Blick auf die Sachverhalte zulassen.

Die Bürgerinnen und Bürger von Nußloch haben ein Recht darauf!

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