Alarmstufe RED – Heizen mit Holz weiterhin „bedingt nachhaltig“

Gestern wurde über die Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED III) im EU-Parlament abgestimmt. Das Ergebnis ist aus unserer Sicht leider nur bedingt tauglich. Eine Einordnung.

In dieser Woche ging es im EU-Parlament um die Zukunft des Waldes.

Lieferketten und Entwaldung

Während am Dienstag über eine neue Lieferketten-Verordnung abgestimmt wurde. Die weltweite Waldzerstörung, die mit Rohstoffen wie Soja, Rindfleisch, Palmöl, Holz, Kaffee, Kakao und daraus hervorgehenden Produkten verbunden ist, soll über diese Verordnung verhindert oder wenigstens eingedämmt werden.

RED III

Am Mittwoch stand dann die Novelle der Richtlinie für Erneuerbare Energien (RED III) zur Abstimmung.

Bekanntermaßen war bislang Holz als förderungswürdige, erneuerbare Energie eingestuft.

In Deutschland wird die Anschaffung von Pellet-Heizungen nach wie vor staatlich gefördert. Und das, obwohl das Ministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz unlängst eine neue Position zur Nachhaltigkeit von Holzverbrennung auf der offiziellen Webseite veröffentlicht hat.

Auch wir hatten die thermische Nutzung von Holz in mehreren Artikeln kritisch beleuchtet und an Beispielrechnungen gezeigt, wie fatal das Heizen mit Holz in Zeiten des Klimawandels tatsächlich ist, siehe z.B. Holz – ein ökologischer Brennstoff?

Ergebnisse der Abstimmungen

Während die Entscheidung in Bezug auf Lieferketten von den Umweltverbänden nur in Randaspekten kritisiert wurde, sieht es beim Thema RED III leider anders aus.

Bestenfalls kann man die vom EU-Parlament getroffene Entscheidung als faulen Kompromiss bezeichnen, der inhaltlich von der Empfehlung des zur Vorbereitung eingesetzten Ausschusses abweicht.

Holzverbrennung weiterhin nachhaltig, aber begrenzt

Die heute beschlossene Reform sieht vor, dass Anreize für die klima- und umweltschädliche Verbrennung von Biomasse aus dem Wald weiterhin bestehen bleiben.

Das Verbrennen von Holz gilt somit nach EU-Beschluss weiterhin als erneuerbare Energie.

Zwar soll der Holzverbrauch durch eine beschlossene Obergrenze für den Anteil der Waldholzverbrennung am Energieverbrauch begrenzt werden, Förderprogramme sollen auslaufen.

Dennoch kritisiert beispielsweise die Deutsche Umwelthilfe e.V. (DUH), dass der gefasste Beschluss bei weitem nicht ausreicht, den „internationalen Raubbau am Wald zu stoppen“.

Schlimmer noch: „Der industriellen Holzverfeuerung bleibt Tür und Tor weiterhin geöffnet.“, so die DUH.

Die Entscheidung des EU-Parlaments, das Verbrennen von Holz weiterhin als ‚erneuerbare‘ Energie zu werten, ist ein fatales Signal für den Umwelt- und Klimaschutz und die Transformation des Energiesektors.

Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH

Auch der NABU Deutschland spricht von einem ‚faulen Kompromiss‘, der Klima und Biodiversität gefährde.

Weiter heißt es in der Erklärung des NABU:

Das Ende der Unterstützung für die Holzverbrennung zur reinen Stromerzeugung bewertet der NABU grundsätzlich als richtige Entscheidung. Dieses Vorhaben wird allerdings durch riesige Schlupflöcher untergraben. Nach wie vor kann die Holzverbrennung bei reinen Strom-Kraftwerken, die nicht auf Kraft-Wärme-Kopplung umgerüstet werden können, weiterhin gefördert werden. Zudem soll die Verbrennung von primärer Holzbiomasse – also Holz direkt aus dem Wald – bis zu einer Obergrenze auch weiterhin auf Ziele für erneuerbare Energien angerechnet werden. Dies steht im direkten Widerspruch zur Empfehlung des Umweltausschusses des EU-Parlaments vom Mai.

Auch Greenpeace schlägt in dieselbe Kerbe. In einem Kommentar zum Thema heißt es, dass der bis 2030 angestrebte Ausstieg aus der Holzverbrennung für das Klima und die schon jetzt unter der Klimakrise leidenden Wald-Ökosysteme viel zu spät kommt.

Kontroverse Diskussion

Aber es gibt auch andere Sichtweisen auf die Thematik. So kritisiert Bayerns Forstministerin Michaela Kaniber die Entscheidung des EU-Parlaments ebenfalls als eine ‚Entscheidung gegen die Menschen und gegen Natur- und Klimaschutz‘. Sie wünscht sich, dass es keinerlei Einschränkungen geben soll bei der Verbrennung von Holz.

Ihre Position wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen, findet aber sicherlich Unterstützung aus weiten Bereichen der Forstwirtschaft.

Entscheidung gegen Erkenntnisse der Wissenschaft

Wieder einmal scheint es zu heißen: „Chance vertan!“

Während die Wissenschaft eine einheitliche Position vertritt, dass die Verbrennung von Waldholz klimaschädlicher ist als die von Kohle, hat das EU-Parlament sich nicht zu einer klaren Position bekennen können.

Wirtschaftliche Interessen und allgemeine Ängste in Zeiten des Gas- und Strommangels mögen bei der Entscheidungsfindung eine Rolle gespielt haben.

Allerdings geht die Entscheidung zu Lasten des Klimaschutzes und zu Lasten der Zukunft unseres Planeten.

Noch besteht die Hoffnung, dass Deutschland innerhalb der EU dennoch eine Vorreiterrolle durch die klare Begrenzung von Holzverbrennung einnehmen wird. Auch die Förderung von Holzheizungen könnte in der Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes im Herbst endlich beendet werden.

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