Nußlocher Bürgerinnen engagieren sich für den Nußlocher Wald – Aktuelle Leserbriefe in der Rhein-Neckar-Zeitung

In zwei aktuellen Leserbriefen, die im November und Dezember 2022 in der Rhein-Neckar-Zeitung abgedruckt waren, beziehen Nußlocher Bürgerinnen Position zu aktuellen Vorkommnissen.

Die Situation im Nußlocher Gemeindewald treibt viele Bürgerinnen und Bürger um. Davon zeugen auch zwei Leserbriefe von Nußlocherinnen, die unlängst in der Rhein-Neckar-Zeitung veröffentlicht wurden.

Die beiden Autorinnen haben uns freundlicherweise gestattet, die Leserbriefe in diesem Artikel hier in vollem Wortlaut erneut zu veröffentlichen.

Waldrefugium Wilhelmsberg

Die Nußlocherin Alexandra Kimmich hat sich in ihrem Leserbrief auf die angekündigte Fällung von ca. 30 alten Bäumen am Wilhelmsberg bezogen.

Was bisher geschah…

Nachdem die Gemeinde das Waldrefugium zunächst bis auf weiteres für den Publikumsverkehr hatte sperren lassen, gab es in der Gemeinderatssitzung im November 2022 dann grünes Licht für die Fällung der Bäume, um die Verkerhssicherheit wiederherzustellen. Der Beschluss wurde einstimmig von allen Gemeinderät*innen gefasst.

In der ursprünglichen Empfehlung durch das Forstamt war sogar von 70 – 80 Bäumen die Rede, von denen eine unmittelbare Gefahr für Waldbesucher ausgehen würde und die deshalb entfernt werden sollten.

Ganz so schlimm ist es dann glücklicherweise doch nicht gekommen, auch wenn die Fällung aus unserer Sicht möglicherweise vermeidbar gewesen wäre. In einem Präzedenzurteil vom 2.10.2012 hatte der Bundesgerichtshof geurteilt, dass beim Besuch des Waldes mit waldtypischen Gefahren zu rechnen sei. Eine Verkehrssicherungspflicht besteht demnach nur entlang öffentlich gewidmeter Fahrstraßen, und der Waldbesitzer haftet entsprechend nicht für umstürzende Bäume oder herabfallende Äste entlang anderer Waldwege.

Entsprechend hatten wir angeregt, beim Zugang zum Waldrefugium lediglich Warnschilder anzubringen, um auf die erhöhten waldtypischen Gefahren hinzuweisen, da tatsächlich schon erste Bäume im Sturm umgekippt waren. Leider fand diese Empfehlung keine Mehrheit bei den Entscheidern.

Aus unserer Sicht positiv zu erwähnen ist, dass die geschlagenen Bäume immerhin als Totholz im Waldrefugium verbleiben sollen und künftig – nachdem entsprechende Schilder angebracht wurden – keine weiteren Eingriffe passieren sollen.

Wilhelmsberg
Von diesen Bäumen am Wilhelmsberg geht wohl keine Gefahr mehr für Waldbesucher aus.

Leserbrief zum Artikel „Gefahr gebannt, Waldweg bald frei“ aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 30.11.2022

Bäume stehen lassen (RNZ, 16.12.2022)

30 alte Bäume müssen fallen, damit von ihnen keine Gefahr mehr für Menschen ausgeht. Verständlich, wer will schon von einem Baum erschlagen werden?

Aber ganz so einfach ist es nicht mehr in einer Zeit, in der der menschengemachte Klimawandel dabei ist, existenzbedrohende Ausmaße für unser Leben anzunehmen. Wenn dringend CO2 reduziert werden muss, muss auch eine genaue Abwägung der Interessen stattfinden, bevor Maßnahmen ergriffen werden. Hier stehen die Interessen einiger weniger den Interessen der Allgemeinheit entgegen.


Bäume sind auch als Totholz wertvoll, aber nur lebendig können sie große Mengen an CO2 in Sauserstoff umwandeln. Aufforstung hilft, aber erst nach 20 Jahren kann ein junger Baum CO2 binden, nach weiteren 30 Jahren hat er die Kapazität eines alten Baumes. Diese 50 Jahre haben wir nicht mehr.


Wir müssen jetzt handeln bzw. in dem Fall einfach nichts tun und nicht die kurzfristigen Interessen von Spaziergängern bedienen, deren Hauptmotiv Bequemlichkeit ist. Denn es besteht keine Notwendigkeit, diesen Waldweg zu betreten – kein Weg zur Arbeit führt hier durch, kein Rettungsweg. Wer hier geht, geht spazieren, freiwillig und womöglich aus Liebe zur Natur. Ist es da nicht zumutbar, Verbotsschilder zu beachten und den etwas längeren Umweg zu genießen?

Alexandra Kimmich, Nußloch
Gefällte Buchen am Wilhelmsberg

Verabschiedung des neuen Leitbilds und des Forstwirtschaftsplans

In einem am 1.12.2022 veröffentlichten Leserbrief bezieht die Nußlocherin Jutta Baust Stellung zu den Veränderungen, die sie in den letzten Jahren im Wald festgestellt hat.

Auf einer Themenseite hatte die Rhein-Neckar-Zeitung zuvor über die in der Gemeinderatssitzung getroffenen Beschlüsse zum überarbeiteten Leitbild Kliamstabiler, naturnaher Wald so wie über die im Nachgang anstehende mögliche Aussetzung des Leitbilds und die weiterhin geplanten Einschläge berichtet.

Leserbrief zum Artikel „Nußloch: Weniger Einschlag, mehr Vorrat und Totholz“ aus der Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.11.2022

Verheerend! (RNZ, 1.12.2022)

Ich kenne den Nußlocher Wald seit über 60 Jahren. Er hat mir Ruhe und Entspannung gebracht und er war vor allem auch eine Wohltat für das Auge. Jetzt mag ich gar nicht mehr dort spazieren gehen, denn auf meiner Lieblingsrunde bietet sich mir auf großen Strecken ein verheerender Anblick.

Der Einsatz schwerer Maschinen hat tiefe Wunden hinterlassen, das schützende Blätterdach ist an vielen Stellen beängstigend licht geworden und die Neuanpflanzungen im Plastikmantel schauen furchtbar aus. Dass nun weniger eingeschlagen wird als geplant, ist für mich nur ein schwacher Trost.

Wenn wegen des Klimawandels immer mehr Bäume absterben, muss man doch wenigstens die gesunden stehen lassen, sonst werden unsere Enkel in der Tat bald einen „zerstörten“ Wald vorfinden.

Jutta Baust, Nußloch

Wir wissen, dass es vielen Nußlocherinnen und Nußlochern nicht egal ist, was mit ihrem Wald passiert, und die beiden hier angeführten Leserbriefe sind weitere Belege dafür!

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