Waldspaziergang im Rückblick

Am 10.7.2021 fand unser Waldspaziergang durch den Nußlocher Gemeindewald statt. Zu dieser öffentlichen Veranstaltung hatten wir insbesondere auch die Vertreter*innen des Nußlocher Klimarats eingeladen. Unser Gast, Diplom-Forstwirt und Forstwissenschaftler Volker Ziesling, hob während des Spaziergangs auf die ökologischen Herausforderungen als Folge des Klimawandel ab.

Letzte Woche Samstag hatten wir zum Waldspaziergang durch den Gemeindewald Nußloch eingeladen.

Wir konnten den in der Region sehr bekannten Diplom-Forstwirt und Forstwissenschaftler Volker Ziesling gewinnen, uns auf dem Spaziergang zu begleiten. Entlang der Runde gab er uns immer wieder interessante Einblicke ins Ökosystem Wald.

Entsprechend groß war das Interesse an der Veranstaltung. Bis zu 30 Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten den Ausführungen des Experten. Die Runde durch den Wald selbst war auf drei Stunden angesetzt. Doch die vermeintlich lange Zeit verflog wie im Flug, wenn Volker Ziesling sehr kurzweilig über seine Beobachtungen sprach und diese in einen größeren Kontext setzte.

Erster Halt

Besonders schön: Vom Grundschul- bis zum Rentenalter waren alle Generationen bei unserer Veranstaltung vertreten.

Großes Interesse

Neben der lokalen Presse durften wir auch Vertreter des Klimarats und des Gemeinderats begrüßen, worüber wir uns besonders gefreut haben.

Aus unserer Sicht ist es entscheidend, dass insbesondere der Klimarat ein umfassendes Informations- und Beratungsangebot in Anspruch nimmt. Schließlich werden die durch den Klimarat ausgesprochenen Empfehlungen die weitere Zukunft des Nußlocher Walds massiv beeinflussen. Gleichermaßen wird jede Veränderung des Waldes auch Konsequenzen für die Nußlocher Bürger*innen haben.

In unserer Wahrnehmung erfolgte die Beratung des Klimarats bislang sehr einseitig und war von einer rein forstwirtschaftlichen Perspektive geprägt.

Dass eine solch einseitige Betrachtung in Zeiten des Klimawandels nicht genügt, das stellte Volker Ziesling entlang etlicher Beispiele eindrücklich während des Spaziergangs unter Beweis.

So hoffen wir, dass die Vertreter*innen des Klimarats vielfältige Informationsangebote in Anspruch nehmen, damit sie tatsächlich zu einer Empfehlung kommen können, die sie auch zukünftigen Generationen gegenüber noch erklären und vertreten können.

Ökologische Herausforderungen

Gleich beim ersten Halt sprach der Forstwissenschaftler, der sich in seiner Freizeit mit dem Einfluss des Klimawandels auf den Wald und den zugehörigen Transformationsprozesse beschäftigt, die aus seiner Sicht fünf größten (ökologischen) Herausforderungen an. Dazu zählen aus seiner Sicht

  • der Klimawandel selbst,
  • der Umgang mit den Folgen des Klimawandels,
  • die Sicherung der Wasserqualität und des Wasservorrats,
  • die Verringerung des Stickstoffanteils in den Böden und in der Luft,
  • die Endlichkeit der Rohstoffversorgung.

Entlang dieser Herausforderungen diskutierte Volker Ziesling mit den Besucher*innen die besondere Bedeutung unserer Wälder.

Letztendlich ging es um die Kernfrage: Wie müssen wir unsere Wälder behandeln, damit sie diesen ökologischen Herausforderungen gerecht werden können?

Gemeindewald ist die demokratischste Waldbesitzart, die es überhaupt gibt. Gemeindewald ist der Wald der Bürgerinnen und Bürger. Diese entscheiden, was mit dem Wald geschieht.

Volker Ziesling, Diplom-Forstwirt

Legendenbildung

Auch viele der sogenannten „Totschlagargumente“ wurden von Volker Ziesling kommentiert. In einem wilden Ritt sprach er die Themen Verkehrssicherung, (Toiletten-)Papierknappheit und multifunktionale Forstwirtschaft an.

Besonders heiß diskutiert wurde dabei das Thema Verkehrssicherungspflicht, das auch in Nußloch immer wieder von den Verantwortlichen angeführt wird, weshalb Bäume gefällt werden müssen. Diesen Themenkomplex werden wir demnächst in einem separaten Artikel beleuchten.

Dieser Wald ist anders?

Der nächste längere Halt fand an der Blockhütte statt. Das dort angebrachte, mit „Dieser Wald ist anders“ betitelte PEFC-Zertifikat war ein guter Aufhänger, um über Wald-Zertifizierungssysteme zu sprechen.

Da Volker Ziesling in seiner beruflichen Karriere unter anderem acht Jahre für die Zertifizierung des Staatswaldes in Rheinland-Pfalz verantwortlich war, konnte er auch hier fundiert Stellung beziehen.

PEFC, FSC und Naturland

Nach seiner Aussage ist die beworbene PEFC-Zertifizierung sehr leicht zu erlangen. Der dahinter stehende Waldstandard sei so unverbindlich, dass er sogar unterhalb der gesetzlichen Normen läge. Allerdings würde das damit verbundene Logo den Marktzugang erleichtern.

Volker Ziesling vor dem PEFC-Zertifikat

Bei der etwas konkreteren FSC-Zertifizierung wird zumindest geregelt, welcher Anteil der Fläche maximal befahren werden darf, nämlich 13,5 %.

Aus Volker Zieslings Sicht sollte allerdings die noch bessere Naturlandzertifizierung angestrebt werden oder – noch besser – auf eine Bewirtschaftung des Waldes komplett verzichtet werden.

Holzbedarf – Importe und Exporte

Anschließend sprach Volker Ziesling über die Themen Holz- und Papierverbrauch in Deutschland. Zwei Kubikmeter Holz werden pro Person und Jahr in Deutschland verbraucht, ca. die Hälfte davon (netto) wird in Deutschland produziert.

Der Forstwissenschaftler betonte, dass Verpackungspapier der Hauptreiber für den hohen Papierverbrauch in Deutschland sei. Dieser sei wiederum unmittelbare Folge des Konsumverhaltens in Deutschland, das zu hinterfragen sei. 250 kg Papier pro Kopf werden in Deutschland jedes Jahr durchschnittlich verbraucht – eindeutig zu viel!

Ein Überdenken und eine Anpassung des Konsumverhaltens wäre der sinnvollere Schritt, anstatt immer mehr Holz zu ernten, um den gestiegenen Bedarf zu befriedigen.

Schirmschlag am Wieslocher Weg

Der letzte längere Halt fand schließlich in einer der Rückegassen westlich des Wieslocher Wegs kurz vor der höchsten Erhebung Nußlochs statt.

Hier konnte Volker Ziesling nochmal eindrücklich die Folgen der Sonneneinstrahlung auf die verbliebenen Buchen auf der ausgelichteten Fläche demonstrieren.

Die unterschiedliche Intensität des Blattgrüns von Buchen, die dem Sonnenlicht ausgesetzt sind oder aber im Schatten stehen, war für alle Anwesenden sofort nachvollziehbar.

Entlang dieser exemplarischen Rückegasse erklärte der Forstwissenschaftler außerdem, welche Schäden durch das Befahren mit schwerem Gerät durch die Verdichtung der Waldböden entstanden sind.

Kahlschlag

Beim Anblick der heißgeschlagenen Fläche war Volker Ziesling, der auch Initiator der Bürgerinitiative Waldwende jetzt! ist, für einen kurzen Augenblick sprach- und fassungslos. Er war sichtlich ergriffen ob dieser Eingriffe in die Naturlandschaft.

Ausklang

Beim gemeinsamen Rückweg gab es dann ein weiteres Mal Gelegenheit, Detailfragen an Volker Ziesling zu richten. Vor allem das Thema Verkehrssicherheit wurde nochmal intensiv diskutiert, um die rechtliche Situation und die daran geknüpften Anforderungen besser verstehen zu können.

Nach unserem Gefühl konnten alle Teilnehmer*innen an unserem Waldspaziergang interessante Anregungen und auch neue Informationen mit nach Hause nehmen, die in dieser Form nicht bekannt gewesen waren.

Entsprechend positiv fielen dann auch die Rückmeldungen der Teilnehmer*innen aus. Ein herzliches Dankeschön nochmal an Volker Ziesling, der uns in seiner Freizeit dieses gemeinsame Walderlebnis ermöglicht hat und unermüdlich und kompetent Stellung bezogen hat.

Man spürt einfach, dass Volker Ziesling den Wald aus tiefstem Herzen liebt. Er hat für sich erkannt, dass der Erhaltung unserer Wälder in Zeiten des Klimawandels höchste Bedeutung zukommt, um mit den Folgen des Klimawandels überhaupt irgendwie umgehen zu können.

Wir, die Waldvision Nußloch, teilen diese Sicht!

Herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal an alle interessierten Bürger*innen, die sich gemeinsam mit uns Zeit für unseren Wald genommen haben!

Das große Interesse bestärkt uns darin, uns weiter für eine naturnahe Bewirtschaftung des Nußlocher Gemeindewalds einzusetzen!

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