Alte Wälder sind aktiver Klimaschutz

Alte Wälder sind unverzichtbarer Klimaschutz – das ist die zentrale Botschaft eines neuen Policy Briefs der Naturwald Akademie, den wir zum Anlass nehmen, auf die Bedeutung alter Waldökosysteme auch für den Nußlocher Gemeindewald hinzuweisen.

Was die Naturwald Akademie zeigt

  • Europas Wälder verlieren seit rund einem Jahrzehnt deutlich an CO₂-Senkenleistung, weil Holzernten, Klimastress, Brände und Schädlinge zunehmen.
  • Die EU plant dennoch, Wälder weiterhin fest in ihre Klimaziele einzurechnen – müsste dafür aber die Ursachen dieses Senken-Rückgangs konsequent angehen, statt die Ziele abzusenken.
  • Die Studie zeigt: Alte, naturnahe Wälder speichern zwei- bis dreimal mehr Kohlenstoff als junge Bestände und bleiben über Jahrhunderte stabile Kohlenstoffsenken.
  • Kahlschläge und kahlfallende Schadflächen führen zu massiven Emissionen aus den Böden; die Neubegründung junger Wälder kann diesen Klimaschaden über Jahre nicht ausgleichen.
  • Der größte und sicherste „CO₂-Speicher“ ist das intakte Waldökosystem selbst – deutlich wirksamer als der vergleichsweise kleine Anteil des Holzes, der in langlebigen Produkten landet.

Alte Wälder: Kohlenstoffspeicher und Lebensraum

  • Der Policy Brief unterscheidet klar zwischen jährlicher Senkenleistung (Zuwachs) und der gesamten Speicherleistung eines Waldes – und kommt zum Schluss: Für den Klimaschutz zählt vor allem die langfristige Speicherung in Holz, Totholz und Böden.
  • Untersuchungen zeigen, dass selbst Wälder über 200 Jahre Alter noch zusätzlich Kohlenstoff einlagern und nicht – wie oft behauptet – in ein neutrales Gleichgewicht kippen.
  • Naturnahe alte Laubwälder erreichen im Mittel rund 584 m³ lebende Holzbio­masse pro Hektar, plus etwa 150 m³ Totholz – ein gewaltiger, über Jahrzehnte stabiler Kohlenstoffvorrat.
  • Gleichzeitig sind alte, strukturreiche Wälder Hotspots der Biodiversität und damit robuster gegenüber Dürre, Hitze, Bränden und Schädlingen.

Warum Aufforstung nicht genügt

Junge Bestände zwischen 20 und 40 Jahren weisen zwar hohe Zuwächse auf, starten aber oft auf Kahlflächen, die durch Bodenemissionen über Jahre netto CO₂ freisetzen.
Eine beispielhaft untersuchte Windwurffläche mit Eichenpflanzung emittierte im Mittel rund 14 Tonnen CO₂ pro Hektar und Jahr – trotz Wiederaufforstung.
Rechnet man diese Verluste ein, schrumpft die reale Senkenleistung junger Wälder deutlich; alte Wälder bleiben demgegenüber über lange Zeit Netto-Senken und Speicher zugleich.
Dazu kommt: Ein Viertel des in Deutschland geernteten Holzes wird direkt verbrannt, weitere Emissionen fallen bei Ernte, Transport und Verarbeitung an.

Politische und forstliche Konsequenzen

Der Policy Brief leitet daraus klare Handlungsempfehlungen für Politik und Forstpraxis ab:

  • Auf naturnahen und sehr naturnahen Flächen (derzeit rund 38% der Waldfläche in Deutschland) sollen Bäume deutlich älter werden, Vorräte steigen und Kahlschläge unterbleiben.
  • Bewirtschaftungsformen, die aus vielen starken Bäumen nur wenige entnehmen und diese in langlebige Holzprodukte überführen, sollen gezielt gefördert werden.
  • Instabile Nadelholzreinbestände sollen schrittweise, ohne großflächige Räumung, in klimastabile, standortheimische Laubmischwälder mit Naturverjüngung umgebaut werden.
  • Naturbasierte Lösungen – Schutz und Wiederherstellung naturnaher Wälder – sollen eine tragende Säule der EU-Klimapolitik werden, statt Klimaziele wegen schwächerer Senkenleistung abzuschwächen.

Die Autor:innen kommen zu einem eindeutigen Fazit: Die Schwächung der Waldsenken ist kein Argument für weichere Klimaziele, sondern ein Auftrag, Landnutzungs- und Forstpolitik ökologisch konsequent neu auszurichten – mit klarem Vorrang für alte und naturnahe Wälder.

Was das für den Nußlocher Wald bedeutet

Die Ergebnisse des Policy Briefs bestätigen eindrücklich, was wir als Waldvision Nußloch seit Jahren fordern: Naturnahe Waldbewirtschaftung mit möglichst alten Beständen, hohem Baumvorrat, Starkbäumen und Totholz ist zugleich wirksamer Klimaschutz, Lebensgrundlage unzähliger Arten und Voraussetzung für einen widerstandsfähigen Erholungswald vor unserer Haustür.

Für Nußloch heißt das konkret:

  • Alte Buchen- und Laubmischbestände müssen als Kohlenstoffspeicher und Biodiversitäts-Hotspots gesichert und weiterentwickelt werden.
  • Auf Kahlschläge und starke Auflichtungen ist zu verzichten; stattdessen brauchen wir behutsame Einzelstammentnahmen und Naturverjüngung.
  • Mindestens 20% der Gemeindewaldfläche sollten als echte Schutz- oder Referenzgebiete ausgewiesen werden, in denen der Wald eigenständig altern und seine volle Klimaschutzwirkung entfalten kann.

Der neue Policy Brief der Naturwald Akademie liefert damit eine aktuelle wissenschaftliche Grundlage für unseren Einsatz: Der Nußlocher Wald ist nicht nur ein „besonderes Juwel“ vor Ort, sondern ein Baustein für ernst gemeinten Klimaschutz – gerade dann, wenn wir seine alten Wälder wachsen und wirken lassen.

Quelle

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