Der 25. Juni ist der Tag der Buchenwälder – ein guter Anlass, einen ehrlichen Blick auf den Zustand unserer Wälder zu werfen. Unsere Partnerorganisation, die BundesBürgerInitiative WaldSchutz (BBIWS), hat zum heutigen Tag einen offenen Brief veröffentlicht, der die Ergebnisse des aktuellen Waldzustandsberichts und der Bundeswaldinventur kritisch einordnet.
Nur noch jeder fünfte Baum gilt als gesund
Das Thünen-Institut bewertet jährlich rund 10.000 Bäume anhand ihrer Kronenverlichtung. Das Ergebnis des aktuellen Berichts ist ernüchternd: Galten 1984 noch 44 Prozent aller Probebäume als gesund, sind es heute nur noch 21 Prozent. Bei der Buche hat sich der Anteil ohne Kronenverlichtung im gleichen Zeitraum von 50 auf 21 Prozent mehr als halbiert – der Anteil mit deutlicher Kronenverlichtung stieg von 13 auf 38 Prozent.
Fichte und Buche haben sich gegenüber dem Vorjahr geringfügig erholt, Kiefer und Eiche bleiben in kritischem Zustand. Doch diese Detailbewegungen ändern nichts an der Gesamttendenz: Der Gesundheitszustand der deutschen Wälder verschlechtert sich seit über vier Jahrzehnten kontinuierlich.
Was der Bericht nicht beantwortet
Die BBIWS kritisiert, dass der Bericht zentrale Fragen offen lässt: Wie wirkt sich der schlechter werdende Waldzustand auf Grundwasserbildung, Hochwasserschutz, Bodenökologie und Biodiversität aus? Und welche Rolle spielen die forstwirtschaftliche Behandlung – also Einschlagsmengen, Baumauswahl und Bewirtschaftungsmethoden – bei der negativen Entwicklung? Diese Zusammenhänge werden im Bericht weder untersucht noch bewertet.
Stattdessen dominiert die Frage, wie viel Rohholz der Wald in den nächsten Jahrzehnten liefern kann. Die Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung (WEHAM) steht im Mittelpunkt – nicht die Frage, wie der Wald als Ökosystem erhalten werden kann.
Was das für den Nußlocher Gemeindewald bedeutet
Die im Waldzustandsbericht dokumentierte Entwicklung ist kein abstraktes Bundesthema. Sie spiegelt sich auch in unserem Gemeindewald wider: Die Buchen des Nußlocher Waldes – überwiegend als Waldmeister-Buchenwald ausgeprägt – sind Teil dieses bundesweiten Trends. Auch in Nußloch bleibt die Frage offen, ob die festgelegte Einschlagsmenge wirklich als Obergrenze verstanden wird – oder ob sie in der politischen Praxis zur angestrebten Zielmenge wird. Eine Diskussion, die wir bereits zur Bundeswaldinventur 2022 angestoßen haben.
Wer den Wald wirklich schützen will, muss nicht nur die Dürrejahre 2018–2020 als Erklärung heranziehen. Die BBIWS fordert zu Recht, dass auch die Auswirkungen der Bewirtschaftungsmethoden endlich systematisch untersucht und bewertet werden.
Den vollständigen Brief lesen
Den vollständigen offenen Brief der BBIWS zum Tag der Buchenwälder 2026 könnt ihr hier als PDF herunterladen und lesen. Er richtet sich an politische Entscheidungsträger und die interessierte Öffentlichkeit – und macht deutlich, dass ein Systemwechsel in der Waldbewirtschaftung längst überfällig ist.
