Fauna-Flora-Habitat – was ist das eigentlich?

Große Teile des Nußlocher Gemeindewalds sind als Fauna-Flora-Habitat-Gebiete ausgezeichnet. Aber was bedeutet das eigentlich? In diesem Artikel versuchen wir, Antworten auf die wichtigsten Fragen zu geben.

Fauna-Flora-Habitat-Gebiete (kurz FFH-Gebiete) sind spezielle europäische Schutzgebiete in Natur- und Landschaftsschutz, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen wurden und dem Schutz von Pflanzen (Flora), Tieren (Fauna) und Lebensraumtypen (Habitaten) dienen.

Natura 2000-Netzwerk

FFH-Gebiete sind dabei ein Teil des Natura-2000-Netzwerkes. Natura 2000 ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, das seit 1992 errichtet wird. Sein Zweck ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume. Die Vernetzung dient der Bewahrung, (Wieder-)herstellung und Entwicklung ökologischer Wechselbeziehungen sowie der Förderung natürlicher Ausbreitungs- und Wiederbesiedlungsprozesse.

In der „Verordnung des Regierungspräsidiums Karlsruhe zur Festlegung der Gebiete von gemeinschaftlicher Bedeutung“ vom 12. Oktober 2018 wurden unter anderem große Teile des Nußlocher Walds als Teil des FFH-Gebiets Steinachtal und kleiner Odenwald (FFH-Gebiet 6518-311) ausgezeichnet. Zwei weitere Flächen werden dem FFH-Gebiet Nördlicher Kraichgau (6718-311) zugeordnet.

FFH-Gebiete in Nußloch

In Nußloch stehen somit mehr als 291 von ca. 350 Hektar der Waldfläche unter diesem besonderen Schutz.

In entsprechenden Karten des Regierungspräsidiums sind die relevanten Flächen exakt gekennzeichnet.

Die Verordnungen für die FFH Gebiete sind seit dem 1.1.2019 in Kraft getreten.

Charakteristika

In Nußloch findet sich ein charakteristisch ausgeprägter Waldmeister-Buchenwald, den wir bereits in einem eigenen Artikel vorgestellt haben.

Der Nußlocher Anteil am FFH-Gebiet Steinachtal und kleiner Odenwald ist durch genau diesen Waldmeister-Buchenwald geprägt.

Im relevanten FFH-Management-Plan auf Seite 9 heißt es dazu:

Südlich des Neckars auf besser basenversorgten, teilweise lössüberlagerten Standorten finden sich auch charakteristisch ausgeprägte Waldmeister-Buchenwälder als wertgebender Lebensraumtyp Der Verbreitungsschwerpunkt liegt auf dem Odenwaldausläufer vom Königstuhl bis Nußloch.

Die 2010 erfolgte Kartierung entlang dieses Plans beschreibt den Waldmeister-Buchenwald wie folgt:

Auch die im Gebiet vorkommenden Waldmeister-Buchenwälder [9130] werden von der Buche dominiert. Daneben kommen Eichen und die Edellaubhölzer Berg-Ahorn und Esche mit kleineren Anteilen vor. Nichtlebensraumtypische Nadelbaumarten haben einen Anteil von < 10 %. Die Buche hat auch bei der Verjüngung unter Schirm den bei weitem größten Baumartenanteil. In Lücken verjüngt sich auch der Berg-Ahorn und in kleinerem Umfang die Esche. Die Bodenvegetation ist eingeschränkt vorhanden. Das Arteninventar ist daher hervorragend (A) ausgebildet. Die Bestände haben einen beachtlichen, durchschnittlichen Totholzvorrat von 9,8 Fm/ha. Es sind durchschnittlich 3 Habitatbäume/ha vorhanden. Die Bestände kommen in vier Altersphasen vor. Die Habitatstrukturen sind daher gut (B) ausgeprägt. Beeinträchtigungen bestehen in geringem Umfang (A) infolge Wildverbiss sowie aufgrund von Neophyten-Vorkommen (Indisches Springkraut).

Auch unser geologisches Naturdenkmal Weiße Hohle findet Erwähnung:

Im südlichsten, zum Naturraum Bergstraße gehörenden Teil des FFH-Gebietes sind, neben den wertgebenden Waldmeister-Buchenwäldern, die teils tief eingeschnittenen Hohlwege (Weiße Hohle, Rote Hohle, Viehtrieb-Hohle) mit Lösswänden, anstehendem Buntsandsteinschutt und einer teils artenreichen Krautschicht von besonderer naturschutzfachlicher Bedeutung. Am Richstatt-Weg, im Wald östlich von Nussloch, befindet sich ein besonderer Pflanzenstandort mit Vorkommen der Türkenbund-Lilie und weiteren anspruchsvollen Waldarten.

Schützenswerte Arten

Zu den besonders schützenswerten vorkommenden Arten in unserem Waldmeister-Buchenwald zählen der Hirschkäfer, die Bechsteinfledermaus, das große Mausohr (ebenfalls eine Fledermaus) und die Mopsfledermaus.

Diese Aufnahme eines Hirschkäfers wurde im Juni 2021 nur 100 m entfernt vom Distrikt Buchwald fotografiert. Foto: Thomas Elfner
Silhouette eines fliegenden Hirschkäfers fotografiert in der Abenddämmerung an der Nußlocher Himmelsleiter im Juni 2021

Auch Bilche und Marder finden durch natürliche Felsformationen, Steinbrüche, Blockhalden und Steilhänge, in deren Umfeld alte und strukturreiche Laubwaldbestände stehen, ideale Lebensbedingungen.

Purpur-Knabenkraut (Orchis purpurea) fotografiert im Mai 2021 im Nußlocher Wald

Unlängst wurde außerdem ein brütendes Wendehals-Pärchen in Nußloch beobachtet.

Auch bieten die alten Laubwaldbestände des FFH-Gebiets verschiedenen Spechtarten, darunter Schwarzspecht und Mittelspecht, sowie der Hohltaube geeignete Bruthabitate.

In den krautigen Abschnitten wachsen verschiedene seltene Orchideenarten.

Zu guter Letzt findet die Gelbbauchunke perfekte Lebensbedingungen in den Bereichen, die zum FFH-Gebiet Nördlicher Kraichgau zählen, vor.

Wie funktioniert der Schutz?

In der europäischen Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen heißt es:

Es sind Vorkehrungen zu treffen, durch die sich eine Überwachung des Erhaltungszustandes der in dieser Richtlinie genannten natürlichen Lebensräume und Arten sicherstellen lässt.

Die Umsetzung dieser Richtlinie erfolgt durch sogenannte FFH-Managementpläne.

Nach langer Vorbereitungszeit wurden die Managementpläne für die Gebiete „Steinachtal und kleiner Odenwald“ und „Nördlicher Kraichgau“ im Dezember bzw. Oktober 2020 fertiggestellt und veröffentlicht.

In diesen Plänen sind detaillierte Vorgaben enthalten, wie unsere FFH-Gebiete zu schützen sind.

Details dazu veröffentlichen wir demnächst in einem eigenen Artikel.

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