Offener Brief an die Mitbürgerinnen und Mitbürger in Nußloch und Maisbach

In einem offenen Brief bezieht die Bürgerinitiative Waldvision Nußloch Stellung zu den Aussagen des offenen Briefes von Bürgermeister Joachim Förster, den dieser letzte Woche unter Bezugnahme auf eine von unserer Bürgerinitiative gestartete Petition an die Bürgerschaft adressiert hat.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

in einem offenen Brief hat sich unser Bürgermeister Joachim Förster letzte Woche an die Bürgerschaft gewandt und diese informiert, dass er die Entwicklungen unserer Petition „Schützt den Nußlocher Gemeindewald!“ mit großem Interesse verfolgt, was wir prinzipiell gutheißen.

Des Weiteren thematisiert er das im Oktober 2021 vom Gemeinderat einstimmig verabschiedete und im Anschluss veröffentlichte Leitbild „Klimastabiler, naturnaher Wald“, das dem Schutz des Waldes dienen soll.

Es ist richtig, dass es vor der Verabschiedung dieses Leitbilds mehrere Gespräche mit verschiedenen Vertretern unserer Bürgerinitiative gegeben hat. Allerdings müssen wir dem Eindruck widersprechen, dass wir in irgendeiner Form in die Ausarbeitung des verabschiedeten Leitbilds involviert gewesen sind. Unsere Vorschläge, die wir nach Aufforderung durch den Bürgermeister erstellt haben, mögen intern diskutiert worden sein. Wir waren aber zu keinem Zeitpunkt Teil dieser Diskussion noch wurden wir in irgendeiner Form informiert, weshalb der Großteil unserer Vorschläge in der finalen Fassung des Leitbilds nicht berücksichtigt wurde. Unsere Bürgerinitiative wurde vor vollendete Tatsachen gestellt. Auch wurden alle unsere Angebote, weitere Experten, die eine ökologische, auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende Sicht hätten einbringen können, für beratende Gespräche zu vermitteln, abgelehnt. So kam es zu einer aus unserer Sicht sehr einseitigen, forstwirtschaftlich geprägten Beratung des Gemeinderats.

Bei der Durchsicht des verabschiedeten Leitbilds fällt (neben der schlechten äußeren Form und den vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern) ins Auge, dass in fast allen Abschnitten Hintertürchen eingebaut sind, die eine maximale Dehnung dessen, was in der forstlichen Bearbeitung erlaubt ist, ermöglichen. Von planmäßigen und Katastrophen-Szenarien ist die Rede. Auf die spezifischen, über den Fauna-Flora-Habitat-Managementplan geregelten Vorgaben wird im Leitbild nicht eingegangen.

Wir teilen nicht die Sicht von Bürgermeister Förster, dass die ohnehin unzureichenden, im Leitbild gemachten Vorgaben seit Verabschiedung bei den umgesetzten Arbeiten eingehalten wurden.

Beispiel 1:

Im Leitbild heißt es „Nutzung des bestehenden Rückegassennetz (i.d.R. Abstand von 40 m); so wird die Befahrung auf den bereits betroffenen Bereichen konzentriert; in übererschlossenen Bereichen werden überzählige Rückegassen nicht mehr verwendet.“

Bei den jetzt erfolgten Hiebsmaßnahmen entlang des Blockhüttenwegs/Ringwegs wurde unter Einsatz eines Vollernters (Einsatzgewicht > 19 Tonnen) der Waldboden in Abschnitten flächig befahren, um Fichten zu ernten (Kahlschlag). Entlang des Wieslocher Wegs/Erlenteichwegs wurde das viel zu dichte Rückegassennetz mit Abständen teilweise unter 20 m weiterhin vollständig genutzt.

Beispiel 2:

Im Leitbild heißt es weiter: „Stehenlassen von Habitatbäumen insbesondere Höhlenbäumen, Horstbäume und Bäumen mit besonderen Habitatmerkmalen (wie z.B. abstehende Rindenschuppen) überall“

Fakt ist, dass mehrere alte Bäume mit besonderen Habitatmerkmalen und Höhlenstrukturen im Schutzgebiet gefällt wurden.

Thema Zertifizierung: Wir begrüßen ausdrücklich, dass sich der Gemeinderat auf Antrag der Fraktion Bündnis ’90/Die Grünen für eine Zertifizierung nach FSC-Standard im Jahr 2022 ausgesprochen hat. Noch besser wäre direkt die Zertifizierung nach Naturland. Die Zertifizierung nach PEFC, auf die Herr Bürgermeister Förster abhebt, ist natürlich besser als gar keine Zertifizierung. Allerdings gibt es gute Gründe, warum keiner der großen Natur- und Umweltschutzverbände eine Zertifizierung nach diesem Standard empfiehlt.

Es ist weiterhin gut zu hören, dass das in Nußloch eingeschlagene Holz ausschließlich nach Deutschland verkauft und dort auch weiterverarbeitet wird. Eine entsprechende Anfrage unsererseits an die Gemeinde im letzten Jahr blieb unbeantwortet. Der den offenen Brief mit unterzeichnende Forstbezirksleiter hatte sich bei mehreren Veranstaltungen im letzten Jahr, als noch vorrangig Buchenholz geerntet und verwertet wurde, gegenteilig geäußert. Möglicherweise ein Missverständnis?

Widersprechen müssen wir, was die Holznutzung angeht. Unserer Meinung nach müssen wir aufhören, den wertvollen Rohstoff Holz zu verschwenden. Letztendlich sollten wir uns alle bei jedem Holzprodukt fragen, ob es sinnvoll und langfristig genutzt wird, oder ob es besser als Baum im Wald hätte weiter wachsen können. Eine thermische Nutzung von Holz im großen Stil können wir uns in Zeiten des Klimawandels perspektivisch nicht mehr erlauben.

Dass Herr Bürgermeister Förster froh ist um jegliche Beteiligung aus der Bürgerschaft hat die Waldvision Nußloch im Dialog des letzten Jahrs leider nicht so empfunden. Im Gegenteil: Den Vertretern unserer Bürgerinitiative wurde in unserer Wahrnehmung sehr wenig Wertschätzung entgegengebracht, ein möglicher Dialog wurde abgewürgt.

Wir laden Sie herzlich ein zu unserem Waldspaziergang am 19.2.2022 ab 14:00 Uhr (Treffpunkt: Wanderparkplatz Bohleneck). Hier können wir vor Ort an ausgewählten Beispielen den Zustand des Waldmeister-Buchenwaldes diskutieren. Vielleicht bietet dieser Spaziergang die Gelegenheit, den Dialog neu zu starten!

Haben Sie weitere Fragen oder Anregungen? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf!

Mit waldverbundenen Grüßen

Gerlind Wallon

Sprecherin der BI Waldvision Nußloch    gerlind@waldvision-nussloch.de

Jens Klettenheimer

Sprecher der BI Waldvision Nußloch
jens@waldvision-nussloch.de

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