Blick von außen: Markus Schrade zu Besuch im Gemeindewald Nußloch

Gastbeitrag des Pflanzenkundlers Markus Schrade, der im Mai unseren Wald besucht hat und seine Eindrücke mit uns teilt.

Der Nußlocher Gemeindewald ist seit langer Zeit für seinen Artenreichtum bekannt. In früheren Jahren diente der Wald regelmäßig als Exkursionsziel für Student*innen des Instituts für Systematische Botanik und Pflanzengeographie an der Universität Heidelberg.

Unter dem Eindruck des massiven Eingriffs in den Nußlocher Wald im Herbst 2020 haben die Professoren der Universität Heidelberg angekündigt, dass sie weitere geplante Exkursionen stornieren und in nächster Zeit Nußloch meiden werden. In einem offenen Brief an den Bürgermeister und an die Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats wies Dr. Dr. Stripf im Februar 2021 auf diesen Sachverhalt hin.

Wir freuen uns, dass Ende Mai 2022 ein weiterer Pflanzenkundler den Weg in den Nußlocher Gemeindewald gefunden hat: Markus Schrade ist bekannt für seine im Großraum Mannheim angebotenen Kräuterführungen.

Markus Schrade

Zu Besuch im Nußlocher Gemeindewald

Markus Schrade war bereits im März als Teilnehmer unseres Waldspaziergangs vor Ort in Nußloch.

Beeindruckt von unserem schönen Buchenwald und der Vielfalt an Pflanzen stand für ihn schnell fest, dass er den Wald nochmal ausgiebig und mit mehr Ruhe besuchen würde.

In diesem Gastartikel teilt er einige der Eindrücke seines Besuchs mit uns.

Wir wünschen viel Spaß bei der Lektüre!

Nach meiner Teilnahme am Waldspaziergang im März 2022 war ich Ende Mai ein weiteres Mal im Nußlocher Gemeindewald unterwegs.

Buchenwald und Pflanzenvielfalt

Zunächst kann man sagen, dass Nußloch – mal abgesehen von den forstlichen Eingriffsflächen – über einen wirklich schönen Buchenwald verfügt. Viele schöne und zum Teil nicht gerade häufige Pflanzenarten habe ich vorgefunden. Einige Arten habt ihr bereits auf eurer Website mit schönen Fotos portraitiert.

Orchis purpurea, Cardamine bulbifera und Primula elatior konnte ich leider nicht finden. Da war ich zeitlich auch zu spät dran. Im blütenlosen Zustand übersieht man viele Arten in der grünen Kulisse schnell. Und zudem war mein Wanderradius relativ klein.

Dafür habe ich noch ein paar andere interessante Arten entdeckt.

Waldgerste (Foto: Markus Schrade)

In meiner Aufzählung beschränke ich mich auf Arten, die nicht in eurer Galerie vorhanden sind und typischerweise (auch) im Waldmeister-Buchenwald vorkommen, zum Beispiel

  • Waldgerste (Hordelymus europaeus)
  • Frühe Wald-Trespe (Bromus benekenii)
  • Wolliger Hahnenfuß (Ranunculus lanuginosus)
  • Vogel-Nestwurz (Neottia nidus-avis)
  • Wald-Geisbart (Aruncus dioicus)
Wald-Geisbart (Foto: Markus Schrade)
Frühe Wald-Trespe (Foto: Markus Schrade)
Vogel-Nestwurz (Foto: Markus Schrade)

Besonders gefreut habe ich mich über die Vogel-Nestwurz. Ich hätte nicht damit gerechnet, sie anzutreffen. Eine (auf den ersten Blick) unscheinbare Orchidee, gut getarnt im alten Buchenlaub. Ein paar wenige Exemplare habe ich an einem Standort gefunden.

Forstliche Eingriffe

Natürlich habe ich mir auch die Umbauflächen, Rückegassen usw. angeguckt bzw. leider angucken müssen. Auch wenn es euch vermutlich bekannt ist, dazu noch ein paar Anmerkungen meinerseits.

Fläche am Hang Tannengartenweg

Ich habe mal in ein paar Plastikhüllen geguckt. Es wurden Rot-Eichen und – wenn ich mich nicht irre – auch Zerr-Eichen gepflanzt. (In jungem Zustand sind manchmal Eichen nicht so ganz leicht zu bestimmen, da die kleinen Blätter oftmals (noch) nicht arttypisch ausgeprägt sind.) Aber ihr und der Forst werdet ja wissen, was gepflanzt wurde. Natürlich ein absolutes No-Go.

Rot-Eiche in der Plastik-Wuchshülle (Foto: Markus Schrade)

Und in diversen Hüllen sind die jungen Bäume, wie sonst auch üblich, abgestorben. In dem krautigen Aufwuchs auf den Kahlschlagflächen kommen Arten unterschiedlicher Pflanzengesellschaften vor, die es eigentlich in dieser Zusammensetzung/Kombination dauerhaft nicht gibt.

Blick auf den Hang am Tannengartenweg (Foto: Markus Schrade)

Gründe dafür sind die schlagartige Veränderung der Umweltbedingungen und Bodenverdichtungen.

Aktuell kommen dort noch Arten von Wald- und Saumgesellschaften wie z.B. der Kriech-Baldrian (Valeriana excelsa) vor, die auch an anderen Ecken im Nußlocher Wald natürlicherweise vorkommen.

Diese Arten werden jedoch vermutlich kurz- bis mittelfristig verschwinden, da es ihnen zu warm/sonnig und trocken wird.  Aber auch auf lange Sicht gesehen, wenn es wieder mehr Schatten und ein anderes Mikroklima geben wird, werden diese Arten nicht zurückkehren, da es in Monokulturen von Amerikanischen Roteichen (oder anderen fremdländischen Baumarten) keine geeigneten Bedingungen für heimische Arten gibt, und erst recht nicht für Pflanzenarten der Buchenwaldgesellschaften.

Andere Arten, die im (schattigen) Wald eigentlich nicht vorkommen, werden von dieser Offenfläche – zumindest temporär – profitieren, so z.B. die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense), die hier sehr stark vertreten ist.

T-Kreuzung einer Seitenschneise/Rückegasse des Wieslocher Wegs

Die Bodenverdichtung an dieser Stelle wurde bereits während des Waldspaziergangs im März thematisiert.

Aufgrund der Vegetation sieht man nun, wie enorm der Boden verdichtet wurde. So stark, dass dort wohl eine längere Zeit Wasser steht und sich sogar Pflanzen wie der Rohrkolben (Typha latifolia) entwickeln konnten. Eigentlich eine Pflanze der Sumpf- und Flachwasserbereiche von Seen, Teichen, Sümpfen und Gräben.

Rohrkolben (Foto: Markus Schrade)

Gefunden habe ich außerdem bestimmte Seggen wie z.B. die Winkel-Segge (Carex remota), die hier in sehr großer Anzahl und dominant vertreten ist sowie diverse andere typische Zeigerpflanzen, die auf Staunässe hindeuten.

Neopyhten

Zum Glück habt ihr nicht die Probleme wie wir in Mannheim mit Spätblühender Traubenkirsche (Prunus serotina) und Götterbaum (Ailanthus altissima). Aber auch in Nußloch machen sich einige Neophyten breit.

Auffällig ist die Walnuss. (Könnte hier und da auch die Schwarznuss sein.) An diversen Ecken sieht man junge Bäume. Mir macht das etwas Sorgen. (Wie auch in den Rheinauen.) Den Forst wird es vermutlich freuen. Noch eine (mutmaßlich) klimastabile Art mehr.

Meiner Auffassung nach sollte man die Walnuss (auch) sukzessive entfernen, da sie in einem Buchenwald genauso wenig zu suchen hat wie die Roteiche, Robinie oder Douglasie.  

Starke Vermehrung/Ausbreitung dieser gebietsfremden Arten werden einen starken Einfluss auf den Wald bzw. die in ihm befindlichen Biozönosen haben und entsprechend mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit letztlich für einen großen Artenverlust sorgen. (Es gibt genügend vergleichbare Beispiele, die diese Prognose bestätigen.)

An anderen Stellen habe ich die Gewöhnliche Jungfernrebe (Parthenocissus inserta) und Japanischen Staudenknöterich (Fallopia japonica) gefunden.

Jungfernrebe (Foto: Markus Schrade)
Jungfernrebe (Foto: Markus Schrade)

Hier könnte der Forst beweisen, dass ihm Arten- und Ökosystemschutz wichtig sind und die Wuchsherde beseitigen, also ausgraben! Aber natürlich manuell und nicht mit schwerem Gerät.

Japanischer Knöterich (Foto: Elisabeth Wiegmann)

Kleine Wuchsherde kann man noch gut in den Griff bekommen. Wenn man zu lange wartet, kann er schon nach wenigen Jahren etliche Quadratmeter in Beschlag genommen haben.

Ich sehe das an diversen Stellen in Mannheim und anderswo. Wer anfangs zu lange wartet und zuguckt, hat später das Nachsehen. Und je länger man wartet, desto höher werden am Ende die Kosten für eine Beseitigung.

Mein Fazit

In Nußloch habe ich einen wunderschönen Buchenwald vorgefunden mit vielen schönen und teilweise sehr seltenen Pflanzenarten.

Ich habe mir fest vorgenommen, dem Nußlocher Wald einen weiteren Besuch abzustatten. Dann würde ich mich auf einige der kleineren Verbindungswege und auch auf die Weiße Hohle konzentrieren.

Ihr habt da einen außergewöhnlichen Wald, was auch mit der besonderen Lage und Gesteinsformationen usw. zu tun hat.

Nußloch hat aufgrund der speziellen geographischen Lage Anteil an 4 naturräumlichen Gliederungen! Besser geht es kaum, was das Potenzial angeht. Passt auf den Wald auf und schützt ihn!

Ich bin auch auf die Nußlocher Wiesen aufmerksam geworden, wo es mit Sicherheit auch viele interessante Pflanzen (und Insekten) zu sehen gibt.

Ich bin schon sehr gespannt auf meinen nächsten Besuch!

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