Am Mittwoch, 4. November 2026, berät der Nußlocher Gemeinderat ab 19 Uhr im Ratssaal über den Forstbetriebsplan für den Gemeindewald Nußloch im kommenden Jahr (TOP 5, Vorlage GR-71/2026). Die Unterlagen stehen seit dem 28. Oktober im Ratsinformationssystem der Gemeinde. Wir haben sie gelesen und fassen hier zusammen, was die Verwaltung vorschlägt und wo aus unserer Sicht noch Fragen offen sind.
Was im Forstbetriebsplan 2027 steht
Schäden nach dem Sommer 2026
Der Sommer 2026 hat dem Gemeindewald stark zugesetzt. An der Wetterstation Baiertal wurden 51 Hitzetage mit mehr als 30 °C gezählt, im Mittel der Jahre 1994 bis 2026 waren es 22. Von Anfang Juli bis Mitte Oktober gab es laut Vorlage keinen Regen, der tiefer in den Boden eingedrungen wäre.
Am stärksten betroffen ist die Rotbuche, auch Bergahorn und Hainbuche zeigen Schäden. Die Eichen haben den Sommer nach Einschätzung des Forsts vergleichsweise gut überstanden. Beim Nadelholz sind bisher kaum Schäden zu sehen, das kann sich aber noch ändern. Räumlich liegt der Schwerpunkt auf den flachgründigen Standorten westlich des Wieslocher Wegs, besonders an den Hängen unterhalb des Richtstattwegs.
Geplante Maßnahmen
Die planmäßigen Hiebe sollen 2027 zurückgestellt werden. Eingeschlagen werden sollen vor allem absterbende Bäume. Im Mittelpunkt steht die Verkehrssicherung an Straßen und an der Bebauung sowie an viel begangenen Wegen. Genannt werden Wieslocher Weg, Richtstattweg und Seidenweg.
Ein „beträchtlicher Anteil“ der absterbenden Buchen soll als Habitatbaum oder Totholz im Wald bleiben. Wo Buchen entnommen werden, sollen an wenigen Stellen Flaumeiche, Zerreiche und Elsbeere gepflanzt werden. Sie sollen später als Samenbäume dienen.
Einschlagsmenge
Das Leitbild der Gemeinde begrenzt den Einschlag auf 1.200 Festmeter im Jahr. Wird mehr geerntet, etwa wegen Sturm, Käferbefall oder Trockenschäden, muss das in den Folgejahren durch geringere Hiebe ausgeglichen werden. Die Vorlage nennt für die letzten vier Jahre diese Mengen:
| Jahr | Einschlag (Festmeter) |
|---|---|
| 2026 | 1.564 |
| 2025 | 999 |
| 2024 | 666 |
| 2023 | 1.759 |
Zusammen sind das rund 4.989 Festmeter und damit knapp 190 Festmeter mehr, als das Leitbild für vier Jahre zulässt. Für 2027 war deshalb laut Vorlage zunächst ein Einschlag von 900 Festmetern vorgesehen. Im Bewirtschaftungsplan, dem der Gemeinderat zustimmen soll, stehen jetzt 1.200 Festmeter.
Finanzen
Der Forsthaushalt 2027 rechnet mit Aufwendungen von 287.000 Euro und einem Nettoressourcenbedarf von rund 115.000 Euro. Für den Holzverkauf sind 90.000 Euro angesetzt, 5.000 Euro mehr als 2026. Außerdem soll für 2.000 Euro ein ferngesteuerter Fällkeil angeschafft werden. Die Rückearbeiten will der Revierleiter kurz vor den Hieben vergeben.
Unsere offenen Fragen
Dass die Verwaltung die planmäßigen Hiebe zurückstellt und einen Teil der absterbenden Buchen stehen lassen will, begrüßen wir. Beim Lesen der Unterlagen sind für uns trotzdem einige Punkte offen geblieben.
Die zentrale Frage: Warum 1.200 statt 900 Festmeter?
Nach den Eingriffen der letzten vier Jahre liegt die Gemeinde knapp 190 Festmeter über dem, was das Leitbild erlaubt. Die Verwaltung hatte deshalb für 2027 zunächst einen Einschlag von 900 Festmetern vorgesehen. Im Bewirtschaftungsplan stehen nun wieder 1.200 Festmeter, eine Begründung für die Erhöhung enthält die Vorlage nicht.
Vermutlich hängt sie mit den Trockenschäden zusammen, denn eingeschlagen werden sollen vor allem absterbende Bäume. Nach dem Leitbild müssen aber auch solche zufälligen Nutzungen in den Folgejahren ausgeglichen werden. Wir möchten deshalb wissen:
- Warum wurde die geplante Menge von 900 auf 1.200 Festmeter erhöht?
- Besteht der Einschlag 2027 vollständig aus Schadholz, oder sind auch reguläre Hiebe darin enthalten?
- Wie und bis wann soll die Überschreitung ausgeglichen werden? Bleibt es bei 1.200 Festmetern, liegt sie Ende 2027 weiterhin bei knapp 190 Festmetern.
- Gilt die Obergrenze auch dann, wenn im kommenden Jahr mehr Bäume absterben als erwartet?
- Kann die Verwaltung den Stand gegenüber dem Leitbild künftig in jeder Vorlage zum Betriebsplan ausweisen?
Weitere Fragen
- Waldorte: Die Vorlage nennt nur die Gesamtmenge. Im Betriebsplan für 2023 waren noch einzelne Gebiete aufgeführt, zum Beispiel rund 400 Festmeter auf etwa 8 Hektar am Neuen Weg. Gibt es für 2027 eine Übersicht, in welchen Abteilungen eingeschlagen wird? Oder wird das wegen der Schäden erst im Lauf des Winters festgelegt, und wie erfahren Gemeinderat und Öffentlichkeit dann davon?
- Verkehrssicherung und Holznutzung: Welcher Teil der geplanten Menge fällt an Straßen und Wegen an, welcher in Beständen abseits davon?
- Einschlagsmengen 2025 und 2026: Die Vorlage nennt für 2025 einen Einschlag von 999 Festmetern. In ihrer Antwort auf unsere Anfrage hatte die Gemeinde im Februar 1.160 Festmeter für 2025 angegeben. Wie erklärt sich der Unterschied? Und wie kamen 2026 nach den bis Februar gemeldeten 1.150 Festmetern weitere gut 400 Festmeter zustande?
- Habitatbäume und Totholz: Wie viele der absterbenden Buchen sollen stehen bleiben, und nach welchen Kriterien entscheidet der Forst darüber?
- Befahrung und Bodenschutz: Die Vorlage führt Harvesterpreise auf, zu Rückegassen und Bodenschutz steht dort nichts. Im vergangenen Winter haben uns viele Hinweise auf tiefe Fahrspuren erreicht. Wird das Rückepferd wieder eingesetzt, das der Revierförster im November 2025 als positiv und kostengünstig beschrieben hat?
- Pflanzungen: Warum werden Zerreiche und Flaumeiche gepflanzt, statt auf Naturverjüngung zu setzen? Die Zerreiche ist in Baden-Württemberg nicht heimisch.
- FFH-Verschlechterungsverbot: Wie wird bei den Eingriffen sichergestellt, dass sich der Lebensraumtyp Waldmeister-Buchenwald nicht verschlechtert? Diese Frage ist seit unserer Anfrage vom Anfang des Jahres offen.
Die Sitzung am 4. November
Die Sitzung ist öffentlich. Forstbezirksleiter Philipp Schweigler und Revierleiter Markus Reinhard werden den Zustand des Waldes und den Betriebsplan vorstellen. Die zentrale Frage und zwei weitere Punkte haben wir der Verwaltung vorab geschickt, mit der Bitte, dass die Förster in ihrem Vortrag darauf eingehen. Wir werden in der Sitzung dabei sein. Über die Antworten und den Beschluss berichten wir hier. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, ist herzlich eingeladen, ebenfalls in den Ratssaal zu kommen.
Die Unterlagen
- Beschlussvorlage GR-71/2026
- Anlage 1: Forsthaushalt 2027, Produkt 55.50
- Anlage 2: Bewirtschaftungsplan 2027 (KW 31)
- Sitzungskalender im Ratsinformationssystem Nußloch

