Vorberatung im Klimarat: Leitbild „Klimastabiler, naturnaher Wald“

Vorberatung im Klimarat: Zusammenfassung der Diskussion rund um den Entwurf des Leitbilds "Klimastabiler, naturnaher Wald"

Am 22.6.2021 fand um 18:30 Uhr die zweite Sitzung des Nußlocher Klimarats im Saal des Feuerwehrhauses statt. Die Sitzung war öffentlich. Auf besonderes Interesse stieß der Agendapunkt „Forst: Vorberatung Leitbild Klimastabiler, naturnaher Wald“, so dass sich etliche Nußlocher Bürger*innen im hinteren Bereich des Saals einfanden.

Angepasste Agenda

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden des Klimarats, Herrn Bürgermeister Förster, gab es gleich zu Beginn eine positive Überraschung. Wegen des großen Interesses aus der Bevölkerung vor allem am Thema Wald wurde von der ursprünglichen Agendafolge abgewichen. So wurde der dedizierte Agendapunkt „Fragen und Anregungen aus der Bürgerschaft“ gleich zu Beginn sehr kurz gefasst. Stattdessen erhielten die Bürger*innen nach den einzelnen Vorträgen die Möglichkeit, Fragen zu stellen und zu kommentieren. So kam es dann auch tatsächlich zu einem echten Dialog – herzlichen Dank an dieser Stelle nochmal dafür!

Bewegende Wortmeldung

Noch vor dem Vortrag von Forstrevierleiter Philip Schweigler zum Entwurf des Leitbilds „Klimastabiler, naturnaher Wald“ gab es eine erste Wortmeldung aus dem Publikum. In diesem Beitrag wurde Bezug auf einen Leserbrief genommen, der am 18.6. in der Rhein-Neckar-Zeitung abgedruckt worden war. Dieser Leserbrief war wiederum eine Reaktion auf den Artikel „Nußloch: Die Situation im Wald ist alarmierend“, der am 10.6. ebenfalls in der Rhein-Neckar-Zeitung veröffentlicht worden war.

Der alteingesessene Bürger, ehemalige Gemeinderat und Hauptamtleiter unterstrich in seiner Wortmeldung die einzelnen Punkte des Leserbriefs. Wegen seines hohen Alters von weit über 80 Jahren hatte er sich im Vorfeld Notizen zu seinem Beitrag gemacht.

Insbesondere teilte er die Wahrnehmung rund um den Wieslocher Weg und die umliegenden Rückegassen. Nach seiner Beobachtung wurden viele der ehemaligen Wanderwege straßenartig erweitert. Irritiert zeigte er sich außerdem über das Einschieben und Aufschottern etlicher Wege im Juni. Der Erholungsfaktor des Waldes sei von je her das wichtigste Ziel für den Nußlocher Wald gewesen. Dieses Ziel sollte immer über wirtschaftlichen Interessen stehen. Zum Abschluss seiner Wortmeldung zitierte er aus dem Leserbrief und wünschte „den Verantwortlichen Mut, weniger zu tun und dadurch tatsächlich mehr zu bewirken“.

Im Anschluss an diese Wortmeldung, nach der es spontanen Applaus aus dem Publikum gab, präsentierte Herr Schweigler den Entwurf des Leitbilds „Klimastabiler, naturnaher Wald“, den er gemeinsam mit Revierleiter Markus Reinhard vorbereitet hatte.

Vorstellung des Leitbild-Entwurfs

Der Vortrag orientierte sich entlang der Zielsetzung, den Wald zu erhalten und die Bestände an die Klimaveränderung anzupassen.

Außerdem sollten insbesondere die Waldfunktionen Erholung, Naturschutz und Holzbereitstellung erhalten werden. Aus der begleitenden Unterlage ging hervor, dass es Aufgabe des Klimarats sei, im Rahmen der Vorberatung eine
Beschlussempfehlung an den Gemeinderat zu formulieren bzw. eine Gewichtung der teilweise konkurrierenden Zielsetzungen (Erholung, Naturschutz und Holzbereitstellung) vorzunehmen.

Entlang zweier Szenarien (planmäßig und Katastrophe) wurden Vorgehensweisen und Handlungsanweisungen empfohlen.

Zusammenfassend wurde festgestellt, dass bereits in der Vergangenheit nach den vorgeschlagenen Prinzipien gehandelt worden sei und dass der Großteil der Anregungen und Wünsche aus der Bürgerschaft im Entwurf reflektiert seien.

Einstieg in die Diskussion

Nach dem Vortrag hatten zunächst die Vertreter der Fraktionen im Klimarat Gelegenheit, Stellung zu beziehen und Fragen zu stellen. Im Anschluss wurde den anwesenden Bürger*innen das Wort erteilt.

Die Vertreter der Waldvision Nußloch aus der Bürgerschaft wiesen darauf hin, dass das vorgestellte Leitbild ihrer Meinung nach viel zu wenig konkret und zu unverbindlich sei. Sie bedauerten außerdem, dass sie in die Erstellung des Leitbilds nicht wie ursprünglich in Aussicht gestellt einbezogen worden waren, sondern nur das fertige Ergebnis präsentiert bekommen hatten.

Idee eines Einschlags-Moratoriums

Aus ihrer Sicht sind die Wünsche der Bürger*innen nicht ausreichend reflektiert. Sie machten den Vorschlag, zunächst ein zweijähriges Moratorium zu beschließen und weitere Beratung von außen einzuholen. Herr Schweigler bestätigte auf Rückfrage des Klimarats, dass „zwei Jahre aus Sicht des Waldes nichts seien“, was ein solches Moratorium zumindest in den Bereich des Möglichen rückte.

Projektarbeit am Friedrich-Ebert-Gymnasium

Bei der Veranstaltung waren auch zwei Schüler und eine Lehrerin des Friedrich-Ebert-Gymnasiums anwesend. Dort wird das Thema Fauna-Flora-Habitat-(FFH-)Schutzgebiet am Beispiel des Nußlocher Waldmeister-Buchenwalds im Rahmen des „Naturwissenschaft und Technik“-Unterrichts im Rahmen einer Projektarbeit untersucht. In diesem Kontext wird wohl auch demnächst eine gemeinsame Begehung des Walds mit Vertretern der Schülerschaft, der unteren Naturschutzbehörde, des NABU und des Forstreviers stattfinden, um die aktuellen Maßnahmen unter Naturschutzaspekten zu beurteilen.

Erhaltungsziele Fauna-Flora-Habitat

Neben der allgemein formulierten Funktion „Naturschutz“ wünschten sich die Vertreter der Waldvision Nußloch eine weitere Differenzierung, um den vielfältigen Funktionen des Waldes in diesem Komplex (Klimaschutz, Artenschutz, Grundwasserschutz, Ökosystemschutz) Rechnung zu tragen. Auch wünschten sie sich einen engeren Bezug zum typischen Waldmeister-Buchenwald im Nußlocher Gemeindewald und zu den im FFH-Managementplan beschriebenen Erhaltungszielen. Denn immerhin zählten mehr als 83% der Nußlocher Waldfläche zu diesem nach Natura 2000 besonders schützenswerten FFH-Gebiet.

Arbeitsplatzsicherung

Auch das Thema Arbeitsplatzsicherung wurde kurz andiskutiert. Aus dem Klimarat wurde die Frage gestellt, ob die Weiterbeschäftigung der sogenannten „Rotte“ sichergestellt sei, auch wenn im Wald selbst tatsächlich weniger forstliche Arbeiten anfallen würden.

Herr Reinhard konnte in dieser Angelegenheit beruhigen. Nach seiner Aussage würden die Mitarbeiter bereits heute phasenweise im Bauhof eingesetzt, wo sie sich sehr wohlfühlten. Eine Ausweitung dieser Tätigkeit sei denkbar.

Waldspaziergang

Die Waldvision Nußloch machte das Angebot eines weiteren Waldspaziergangs am 10.7. mit Diplom-Forstwirt Volker Ziesling, zu dem die Bürgerschaft sowie Vertreter des Klimarats herzlich eingeladen werden sollen, um vor Ort Fragen stellen und gemeinsam diskutieren zu können. (Die genaue Uhrzeit wird noch bekanntgegeben, sobald die Detailplanung abgeschlossen und die Veranstaltung ordnungsgemäß angemeldet worden ist.)

Weitere Lösungsfindung

Zum Abschluss des länger als zwei Stunden dauernden Tagesordnungspunkts, bei dem teilweise sehr emotional diskutiert wurde, signalisierten nochmal einige der anwesenden Parteien Interesse an weiterer Beratung von einer neutralen Instanz.

Die Vertreter der Waldvision Nußloch betonten erneut, dass sie sich sehr gerne an einer gemeinsamen Lösungsfindung beteiligen würden.

Allerdings rennt die Zeit. Das Leitbild soll bereits in der Gemeinderatssitzung vom 28.07.2021 durch den Gemeinderat beschlossen werden. Im Augenblick sind die Positionen noch sehr unterschiedlich.

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