Rückblick aufs Jahr 2024

Was war, was wird - ein viertes Zwischenfazit unserer Bürgerinitiative. Wir lassen das Jahr 2024 Revue passieren und geben einen Ausblick auf das Jahr 2025.

Im Frühjahr 2021 hat sich unsere Bürgerinitiative Waldvision Nußloch als Zusammenschluss mehrerer Bürgerinnen und Bürger formiert.

Verbindendes Element war die gemeinsame Sorge um den Nußlocher Gemeindewald in Zeiten des Klimawandels und die Angst, dass eine möglicherweise nicht angemessene Bewirtschaftung des Waldes zu einer Verstärkung der Folgen des Klimawandels führt, anstatt ihnen entgegenzuwirken.

Herbstliche Stimmung im Gemeindewald Nußloch

Das vierte Jahr

Auf der Webseite von Waldvision Nußloch widmen wir uns der naturverbundenen Bewirtschaftung des Nußlocher Waldes und seiner Bedeutung für das Wohlergehen der Bevölkerung. Die Veröffentlichungen aus dem Jahr 2024 bieten dabei wertvolle Einblicke in verschiedene Aspekte des Waldes und seinen Schutz.

Immer wieder erreicht uns positives Feedback von anderen Waldinteressierten oder -initiativen, die auf unsere gut recherchierten Grundlagenartikel zurück greifen.

Inzwischen liegt das vierte Jahr als Bürgerinitiative hinter uns. Deshalb fragen wir uns selbstkritisch: Waren wir tatsächlich erfolgreich in unserem Tun? Eine Antwort auf diese Frage hängt wohl – wie schon in den vergangenen Jahren – stark vom Auge des Betrachters ab. Gerne wollen wir deshalb das vierte Jahr aus Sicht unserer Bürgerinitiative Revue passieren lassen.

Höhepunkte

Auch im Jahr 2024 haben wir über unsere Webseite kontinuierlich zum Thema Wald, zu wissenschaftlichen Studien und forstlichen Vorgehensweisen in Nußloch informiert.

Insgesamt 22 Artikel haben wir im Kalenderjahr 2024 auf unserer Webseite veröffentlicht – 15 weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch knapp zwei Artikel pro Monat. Dabei haben wir wertvolle Ressourcen und Wissen vermittelt, um die Diskussion über zukunftsträchtige und nachhaltige Forstwirtschaft in Nußloch und darüber hinaus voranzutreiben. Die Artikel fokussieren sich stark auf aktuelle ökologische Herausforderungen und verdeutlichen die Notwendigkeit eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen Walderhalt und menschlichen Eingriffen.

Im Vorfeld der Gemeinderatswahlen im Jahr 2024 haben wir die Spitzenkandidaten der Parteien und Gruppierungen um Stellungnahmen zu waldbezogenen Themen gebeten. So konnten wir einen Beitrag zur politischen Meinungsbildung leisten.

Wichtige Artikel unserer Webseite

Einer der prominenten Artikel des Jahres 2024 ist „Quo vadis, Gemeindewald Nußloch?“. Darin wird der aktuelle Zustand des Gemeindewaldes untersucht. Die Schlüsselfrage behandelt das Halbzeit-Update des Forsteinrichtungswerks, das auf zehn Jahre ausgelegt ist. Spezifische zukünftige Holzerntepläne spielen dabei eine zentrale Rolle. Dieser Artikel reflektiert die Notwendigkeit einer nachhaltigen Planung für die Zukunft des Waldes, um seine multifunktionalen Eigenschaften zu erhalten.

Ein weiterer wichtiger Beitrag ist ein Kommentar zur „Bundeswaldinventur (2022)“. Diese Studie stellt eine bedeutende Aussage dar, nämlich dass der deutsche Wald zunehmend als Kohlenstoffquelle fungiert. Die Untersuchungsergebnisse vom 8. Oktober 2024 rufen weitreichend mediale Aufmerksamkeit hervor, einschließlich Berichterstattung in der Tagesschau. Der Artikel beleuchtet die Dringlichkeit einer strategischen Neuausrichtung der Forstwirtschaft hin zu Methoden, die den Kohlenstoffspeicherwert der Wälder maximieren und die Emissionen minimieren.

Veranstaltungen

Ein Highlight des Jahres ist das Heidelberger Waldsymposium, das am 22. Juni 2024 am DAI Heidelberg stattfand. In diesem Symposium, zu dem wir gemeinsam mit dem DAI eingeladen hatten, wurden wissenschaftliche Erkenntnisse durch Kurzvorträge präsentiert, gefolgt von einer Podiumsdiskussion. Die Veranstaltung bedeutete eine wertvolle Plattform zum Austausch von Wissen und Erkenntnissen zur zukünftigen Waldbehandlung und zum Schutz natürlicher Ressourcen.

In unserem Artikel heben wir die Bedeutung des Waldschutzes als wesentlichen Beitrag zum Wohl der Gemeinschaft und zur Erhaltung wertvoller Ökosysteme hervor.

Waldspaziergänge

Gerne erinnern wir uns im Rückblick auch an unsere beiden Veranstaltungen im Frühjahr 2024: Bei einem Waldspaziergang am 24.3. haben wir uns mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern über den Zustand unseres Waldes ausgetauscht.

Waldspaziergang

Mit Pflanzenkundler Markus Schrade ging es dann am 7.4. zu einer botanischen Runde in den Wald. Hier mussten wir die Teilnehmerzahl begrenzen, da in erster Linie Wissenswertes zu den Frühblühern im Nußlocher Gemeindewald vermittelt werden sollte. Auch diese Veranstaltung war ein voller Erfolg!

Markus Schrade

Unser Wald im Jahr 2024

Das Jahr begann für uns leider mit einem Schock, was die forstlichen Eingriffe in den Nußlocher Gemeindewald anging. Bei der Holzernte wurden die vorgeschriebenen Abstände der Rückegassen nicht eingehalten. Mit schwerem Gerät wurde der stark aufgeweichte Waldboden in großen Abschnitten verdichtet und zerstört. Dabei wurde keine Rücksicht auf seltene Orchideen oder andere Pflanzen genommen. Der Wald war im Ernteabschnitt in einem solch katastrophalen Zustand, dass wir eine Umweltmeldung beim Land Baden-Württemberg machen mussten. Schließlich ist der Nußlocher Gemeindewald nach europäischer Richtlinie Natura 2000 als Fauna-Flora-Habitat-Gebiet besonders geschützt.

Wald-Desaster 2024
Verzweigende Rückegassen nach der Holzernte im Frühjahr 2024
Wald-Desaster 2024
Voll beladen bringen diese Fahrzeuge weit mehr als 30 Tonnen auf die Waage…

Positiv überrascht hatte uns dann später im Jahr 2024 die Tatsache, dass der Verwaltung Bestellungen über insgesamt “nur” 223 Festmeter für die kommende Saison vorlagen. Damit war die Bestellmenge deutlich niedriger als in den beiden Jahren davor.

Unsere Hoffnung war deshalb, dass man die vorgesehene Holzentnahme auf ein entsprechendes Volumen reduzieren würde. Unser Wald hätte nach den exzessiven Entnahmen der Vorjahre eine entsprechende Reduktion dringend gebraucht.

Enttäuschte Hoffnung

Diese Hoffnung hat sich leider nicht erfüllt. Die Mehrheit des Gemeinderats hielt in der entscheidenden Sitzung an der geplanten Einschlagsmenge fest. Erfreulicherweise sollten bei der Holzernte aber erstmals Rückepferde eingesetzt werden, um den Waldboden in geeigneten Abschnitten weniger stark zu belasten. Eine aus unserer Sicht positive Entwicklung.

Anerkannte Naturschutzverbände

Eine weitere große Enttäuschung war aus unserer Sicht, dass die Gemeinde nach wie vor keinerlei naturschutzfachliche Beratung in Anspruch nimmt. Die Waldbegehungen mit den Förstern finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit und ohne Vertreter der anerkannten Naturschutzverbände statt. Unsere Anfragen und Bitten, entsprechende Vertreter mit einzubeziehen, blieben auch im Jahr 2024 allesamt unbeantwortet.

Auch in der turnusmäßig anstehenden Zwischenprüfung des Forsteinrichtungswerks konnten wir im Zwischenbericht keinen Hinweis auf den besonderen Schutzstatus unseres Nußlocher Gemeindewaldes finden. Und dies, obwohl es im vom Gemeinderat verabschiedeten Leitbild heißt:

Die Gemeinde Nußloch anerkennt die im Managementplan definierten Ziele und sichert die Umsetzung der erforderlichen und empfohlenen Maßnahmen zur Erhaltung der bestehenden Lebensraumtypen und Lebensstätten zu und strebt deren Weiterentwicklung an.

In der Praxis ist davon leider nicht all zu viel festzustellen. Weitere Informationen zum Thema finden sich im bereits genannten Artikel Quo vadis.

Übrigens: Auch bei der angesprochenen Zwischenprüfung wurde auf das Hinzuziehen von Vertretern der anerkannten Naturschutzverbände verzichtet.

In Kontakt bleiben…

Die Zahl unserer Newsletter-Abonnenten wächst stetig an, und auch unsere Präsenzen auf Facebook, YouTube und Instagram und auch auf LinkedIn erfreuen sich wachsender Beliebtheit.

Wir möchten uns entschuldigen, dass wir in den letzten Wochen nicht mehr ganz so aktiv gewesen sind. Das wird sich zukünftig wieder ändern, denn unser Wald ist es wert, geschützt zu werden!

Wir bedanken uns bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern und laden alle Waldinteressierten ein, uns auf unserer weiteren Reise zu begleiten. Es gibt noch viel zu tun!

Gemeindewald Nußloch
Licht am Horizont?

Ein Kommentar

  1. Liebe Freunde des Waldes und der Bäume,

    warum erfassen wir nicht auch die Bäume in den Gärten in Nussloch. Gerade grosse Bäume kühlen die Gemeinde und vermeiden unnötige Klimaanlagen. Privat Grünflächen sollten steuerermässigend wirken und dokumentiert werden.

    mit besonderen Grüssen

    Dr Darius Sadeghian

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Newsletter abonnieren

    Dieses Formular verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Daten verarbeitet werden.